Verfasst von: groberichtungnord | 1. August 2010

DAS FINALE

29.07.2010

Bereits nach knapp 150 km beginnt der Dauerregnen. Bei 11°C Außentemperatur ziemlich unangenehm…

Erst kurz vor „Watson Lake“, unserem Tagesziel, hört der Regen auf. An einer Tankstelle treffen wir Adam und Marcel, zwei Kanadier, mit ihren Kawa-Enduros. Sie laden uns spontan auf ein Bier und zum Abendessen ein (Nochmals vielen Dank!) und wir vergessen, dass wir in völlig durchnässten Klamotten dasitzen!

Aber in der „Airforce Lodge“ können die Sachen übernacht im Heizraum trocknen.

Der nächste Tag ist zwar trockener, aber gefühlt sogar noch viel kälter! Wir fahren den „Cassier Stewart Highway“ ca. 600 km bis nach „Meziadin Junction“. Hier gibt es außer dem Campground nichts! Bei starken Windböen und auf hartem, geschotterten Untergrund bemühen wir uns (erfolgreich) die Zelte aufzustellen.

Neben uns campiert eine größere Gruppe jugendlicher Radsportler. Sie sind dabei, mit ihren Rädern von Texas bis nach Alaska zu fahren! Ganz ehrlich, das möchte ich mir nicht einmal vorstellen! Aber sie zeigen sich von unserem Trip sehr beeindruckt…!

Am nächsten Morgen hat sich nicht nur der Wind, sondern auch der bedeckte Himmel verabschiedet. Durch schöne, waldreiche Landschaft genießen wir die Fahrt auf dem „Highway 16“. Auch die Tierwelt scheint wieder aus ihrem Versteck zu kommen. Wir haben drei Schwarzbären-Sichtungen und Jürgen sieht sogar einen Grizzly direkt hinter mir die Straße überqueren! Schade, dass ich hinten keine Augen habe!

In „Vanderhoof“ quartieren wir uns in einem Motel ein und stellen gleich auf dem Parkplatz unsere am Morgen noch feucht zusammengelegten Zelte zum Trocknen auf. Es ist heiß und in Sekundenschnelle ist alles trocken!

Der nächste Tag, wir haben mittlerweile Temperaturen von über 30°C, führt auf dem „Highway 97“ über „Williams Lake“ und „ Lac la Hache“ bis nach „Cache Creek“.

Hier haben wir nun für den nächsten Tag zwei Streckenvarianten zur Auswahl: Die eine, schnellere, Strecke führt auf dem „Highway 1“ nach „Vancouver“. Die andere, die „Scenic Route“, ist der „Highway 99“.

Jürgen will schnell ans Ziel und so macht er sich schon sehr früh auf den Weg.

Ich breche gegen 8.00 Uhr auf und erlebe die bisher schönste Fahrstrecke von ganz Kanada!

Wolkenloser Himmel, die Sonne im Rücken, grüne Wälder und hohe, schneebedeckte Gipfel!

Dazu eine äußerst kurvige, schmale Straße. Zwar mit der einen oder anderen kräftigen Bodenunebenheit in Form von Schlaglöchern und Asphaltsetzungen, aber wozu hat man denn eine Enduro?

Nur einmal überquert ein junger Rehbock vor mir die Straße, ansonsten stehen die Bambis links und rechts friedlich im hohen Gras und lassen es sich schmecken! Um diese Zeit ist auch nahezu kein Verkehr auf dieser Straße.

Das ändert sich erst nach „Pemberton“ und nahe „Whistler“, die Straße ist jetzt breit ausgebaut, wird das Verkehrsaufkommen schon fast europäisch. Die Landschaft bleibt jedoch so schön, mit Bergen, Seen und Wasserfällen.

Gegen 12.00 Uhr erreiche ich dann „Vancouver“. Mein Weg führt mich mitten hinein nach Downtown und über die große Bay-Bridge, bis zu unserer Spedition im Bereich des International Airport.

Kurz vor dem Ziel kommt mir Jürgen auf der XT entgegen. Er war (nur!) eine Stunde früher als ich angekommen und hatte den Papierkram schon erledigt.

Da habe ich es wohl nochmal ganz schön krachen lassen…

ABER ES HAT WAHNSINNIG SPASS GEMACHT !!! 

Verfasst von: groberichtungnord | 31. Juli 2010

EINE SCHWERE ENTSCHEIDUNG

24.07.2010

Am Freitag Morgen, 7 Tage nach dem Versand der Kette aus Deutschland, checke ich meine Mails. Vielleicht ist ja eine vom „Klondike Inn“ dabei?

Natürlich nicht! Aber eine von Jürgen, dass er wieder in „Whitehorse“ ist. Er war zwischenzeitlich, des Wartens überdrüssig, alleine nach „Dawson City“ abgezogen, um auf dem „Dempster Highway“ nach „Inuvik“ zu fahren. Dort war er aber nach kurzer Fahrt wegen schlechter Straßenverhältnisse wieder umgedreht.

Auf der Fahrt zum „Klondike Inn“ treffen wir uns. Und, welche Überraschung, die Kette ist auch eingetroffen! Natürlich schon gestern Nachmittag…

Die Montage ist schnell erledigt und nachdem die Wetterprognose für die nächsten Tage nichts Gutes vermeldet, denken wir über den „Rückzug“ nach, die Fahrt nach „Vancouver“.

Das Problem ist der nach wie vor ungelöste Rücktransport der Bikes aus „Anchorage“. Der ist von dort nahezu unmöglich und wenn, dann mit extrem hohen Kosten verbunden.

Da uns ein akzeptables Angebot für einen Transport ab „Vancouver“ vorliegt, die äußeren Bedingungen auch nicht unbedingt für eine Fortsetzung der Tour nach Norden sprechen, fällen wir eine Entscheidung: „Vancouver“!

Keine Wale, keine Kodjak-Bären, keine Grizzlies beim Lachsfang! Sehr, sehr schade…

Verfasst von: groberichtungnord | 22. Juli 2010

DAS HATTEN WIR DOCH SCHON…?

22.07.2010

Als wir den Versand der Kette am vergangenen Freitag beauftragt hatten, wurden uns drei Tage (Arbeitstage) Laufzeit versprochen. „Mit Glück trifft die Lieferung bereits am Montag ein, spätestens jedoch am Dienstag!“

Natürlich schüttelte die junge Dame am Empfang des „Klondike Inn“ (Lieferanschrift) am Montag Nachmittag den Kopf. Aber das tat sie auch noch am Dienstag Abend…!

Die Nachfrage in Deutschland ergibt, dass die Ware nicht zugestellt werden konnte, da mein Name im Hotel nicht bekannt war!!? Deshalb wurde sie wieder nach „Richmond, BC“ (2700 km entfernt) zurückgeschickt!

Ich veranlasse eine Änderung der Lieferadresse zum Campground, da sehe ich den Lieferdienst wenigstens einfahren. Nur eine knappe Stunde später ruft der Zusteller dort an und erklärt mir, dass ich erst 16.-$ an die Zollbehörde überweisen muß, damit sich die Ware aus „Richmond“ bewegt…

Das heißt also, dass (genau wie damals in Chile) die Lieferung gar nicht zugestellt werden sollte, sondern man mich im Hotel erreichen wollte, damit ich die Zollgebühr anweise!

Warum sagt das kein Spediteur im Voraus???

Für uns bedeutet das erneut 2-3 Tage warten…

Verfasst von: groberichtungnord | 22. Juli 2010

EPILOG BÄRENTOUR

19.07.2010

Das Warten in „Whitehorse“ vertreiben wir uns mit Wandern. Die Gegend ist schön und laufen tut hier anscheinend niemand. Man ist also ganz mit sich und der Natur!

Als ich mich am Sonntag nach einer ausgiebigen Hiking-Tour am „Miles Canyon“ auf mein Bike schwinge um zurück zum Campground zu fahren, bin ich noch keine 2 Minuten auf der Straße, als mir die verdrecktesten Harleys, die ich je gesehen habe entgegenkommen!

Das gibt’s doch gar nicht! Heinz, Uwe und Huey!!!

Wir glauben nicht an Zufälle…

Die drei sind genauso überrascht wie ich! Sie erzählen mir von einer tollen Zeit in „Dawson City“ (inkl. Can-Can Tänzerinnen und Smalltalk mit der Aufsichtsbehörde), und dass sie den „Top of the World Highway“ nach 10 Kilometern mangels Offroad-Tauglichkeit der Fahrzeuge wieder verlassen mussten! Ich schaue mir noch schnell ein paar Fotos an, aber nachdem die drei noch bis „Watson Lake“ fahren müssen (gute 420 km), verabschieden wir uns aber auch gleich wieder, verständlicherweise, denn wir haben ja schon Nachmittag…!

Verfasst von: groberichtungnord | 17. Juli 2010

NICE TO MEET YOU ODER DIE BAERENTOUR

16.07.2010

Während unseres Zwischenstopps in Deutschland, im April und Mai, wurde die Idee geboren, dass uns drei Harley-Freunde ein kurzes Stück auf unserem Weg nach Alaska begleiten könnten.

Und da sitze ich nun, auf einem Hügel vor den Toren von „Kelowna“ und warte wie ein indianischer Späher auf seinem Painthorse! Und spähe… und spähe…

Aus der Ferne dringt dumpfes Donnern an mein Ohr! Ein Gewitter? Eine Büffel-Herde?

Nein, drei fette Harleys!

Zuerst bollert Heinz, der Tourguide an mir vorbei, dicht gefolgt von Uwe N., meinem großen kleinen Bruder! Und dann, mit wild fuchtelnden Armen, erkennt mich Uwe H. (seit kurzem auch „Huey“ genannt!), der dritte Harley-Rider und wir fallen uns neben der Strasse in die Arme! Nur kurze Zeit später folgen auch die beiden „Vorauseilenden“.

„Nice to meet you friends!“ Mit mir hatten sie zwar erst im „Banff NP“ gerechnet, aber ich wollte sie einfach überraschen und bin ihnen das kleine Stück von ca. 1200 km entgegengekommen!

Nach einem langen, feuchten Abend machen wir uns schon sehr frühzeitig auf den Weg. Die erste Etappe führt uns über „Vernon“ in den „Revelstoke“ und „Glacier“ Nationalpark. Dann durch den „Yoho NP“ vorbei am „Lake Louise“ über den „Icefields Parkway“ in den „Banff NP“ und den „Athabasca Glacier“ bis kurz vor „Jasper“. In der vorgebuchten Lodge treffen wir dann auch auf Jürgen, der schon 2 Tage im „Banff NP“ verbracht hat.

Der Abend wird zwar nicht sehr lang, das einzige Restaurant will bei unserer Ankunft gerade schließen, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch!

Und so stört es uns auch nicht weiter, dass wir auch den nächsten Morgen bei recht kühlem, durchwachsenen Wetter auf die nächste Etappe nach „Prince George“ starten.

Auf dem „Alaska Highway“ fahren wir auch am nächsten Tag, das Wetter ist ganz und gar nicht „Harley-Like“, nach „Fort St. John“. Aber wie lautet doch der Titel des Roadbooks: Bärentour – Nur für Männer geeignet! Was aber nicht bedeutet, dass die Abstände zwischen den Kaffeepausen nicht auch mal kürzer werden dürfen…

Am 4. Tag, die Strecke führt uns bis nach „Fort Nelson“, meint es Petrus dann aber doch noch gut mit uns. Endlich können wir die prächtigen Wälder und Seen auch mal genießen. Sogar die Tierwelt lässt sich blicken: Schwarzbären, Hirsche, Dickhornschafe und… nun ist Heinz nicht mehr zu halten…Bisons! Direkt an der Strasse, auf einer Lichtung grasend, steht eine kleine Herde!

Auch der nächste Tag hält schönes Wetter bis „Watson Lake“ für uns bereit. Hier nächtigen wir in der „Air Force Lodge“, einer ehemaligen Unterkunft für Soldaten, die hier beim Bau des „Alaska Highways“ eingesetzt wurden. Stockbetten gab´s keine, aber auf Gemeinschaftsduschen und -toiletten wollte man anscheinend nicht verzichten!

Die Kette an der AfricaTwin erinnert nun lautstark daran, dass sie aufgrund der „Flathead-Montage“ nun an die Verschleißgrenze gekommen ist. Nachdem eine neue in ganz Canada und den USA nicht zu bekommen ist,entschließe ich mich dazu, sie aus „Good Old Germany“ nach „Whitehorse“ einfliegen zu lassen!

Für die „Bärentour“ bedeutet das, dass ich nicht wie geplant mit den drei Harley-Treibern über „Dawson City“ und den „Top of the World Hwy“ bis nach „Tok“ in Alaska fahren kann. Aber Heinz wäre kein guter Tourguide, hätte er nicht schon eine Lösung gefunden:

Wir werden den „Alaska Highway“ einfach bei „Jake´s Corner“ verlassen und auf dem „South Klondike Hwy“ über den „Chillkoot Pass“ nach „Skagway“ fahren und das liegt dann schon in Alaska!

Dieser „Umweg“ ist so kurz, dass ich trotz der maladen Kette mitfahren kann! Eine traumhafte, bisher auf dieser Tour noch nich gesehene Landschaft, bei viel Sonne und (endlich) kurvigen Straßen, machen diese Strecke für alle zu einem besonderen Erlebnis!

Am Abend trinken wir noch ein letztes, gemeinsames Bier vor dem „Klondike Inn“ in „Whitehorse.

Gegen 11.00 Uhr setzt die Bären-Truppe ihre Tour Richtung „Dawson City fort, wir werden bis zum Eintreffen der Kette in „Whitehorse“ bleiben.

Danke Freunde, für diese schöne „Abwechslung“ auf unserer Tour!

„NICE TO MEET YOU IN GERMANY!“

Verfasst von: groberichtungnord | 12. Juli 2010

GLACIER UND WATERTON LAKES NP

07.07.2010

Das Wetter ist auch heute am 04. Juli, dem „Memorial Day“, nicht wirklich prickelnd. Tiefe, zum Teil sehr dunkle Wolken hängen über uns, als wir in den „Glacier NP“ einfahren. Aber das ist vielleicht auch unser Glück, denn trotz des hohen Feiertags ist nicht mehr Betrieb als im „Yellowstone“.

Der Park beeindruckt durch seine hohen Felsformationen, Wasserfälle und Seen. Auf dem „Logan-Pass, dem höchsten befahrbaren Punkt, ist es dann aber auch deutlich kühler, was wir nicht nur aufgrund der Schneefelder links und rechts der Strasse feststellen können!

Auf dem „Sunrise Campground“, nahe dem Ost-Eingang bei „St. Mary“, schlagen wir dann für die nächsten zwei Tage unsere Zelte auf. Leider ist das Wetter in dieser Zeit sehr wechselhaft und so müssen wir bei unseren Exkursionen aufpassen, dass wir noch ein paar trockene Klamotten behalten.

Am dritten Tag entschließe ich mich, in den auf kanadischer Seite anschließenden „Waterton Lakes NP“ zu fahren, während Jürgen bis zum Mittag im „Glacier“ bleibt und dann außerhalb des Parks ein Hotel zum Wäsche waschen aufsucht.

Der Grenzübertritt nach Kanada ist nur eine kurze Passkontrolle und schon nach wenigen Minuten habe ich den Parkeingang erreicht. Wenig später, der Park ist nicht besonders groß, wird das Wahrzeichen sichtbar: Das „Home of the Prince of Wales“ ist ein großes, auf einem Hügel am See freistehendes, ganz aus Holz gebautes, UNESCO Weltkulturerbe!

Der Prince ist längst ausgezogen und heute wird der „Palast“ als Luxus-Hotel betrieben, Zimmerpreise ab 300.-$.

Ich entscheide mich für Campground, durchstreife am Nachmittag den Park und verlasse ihn am nächsten Morgen mit einem nassen Zelt…

Verfasst von: groberichtungnord | 8. Juli 2010

USA III – MONTANA

04.07.2010

Wir verlassen den „Yellowstone“ im Norden bei „Gardiner“. Im Vergleich zum Südeingang ist hier Tourismus pur. Aber uns stört das nicht, denn wir wollen ja weiter Richtung Norden, immer entlang dem „Hwy.-89“, der alten Panamericana.

Wir befinden uns jetzt in „Montana“, dem Bundesstaat, der durch seine weiten, offenen Grasflächen bekannt ist. Und für seine heftigen Gewitter!

Ein solches droht uns bereits seit „Livingston“. Wie eine dunkle, blaugraue Wand kommt es uns immer ein Stückchen näher! Eilig retten wir uns in „White Sulphur Springs“ ins erste Hotel. Nur ein paar Minuten später können wir die ganze Gewalt des Unwetters vom trockenen Zimmer aus „genießen“!

Am nächsten Morgen, ich komme gerade der erbetenen Widmung ins Gästebuch nach, erzählt uns der Hotelmanager, dass nur ein paar Meilen weiter nördlich, die Hagelkörner die Größe von einem Baseball gehabt hätten…

Über „Great Falls“, „Choteau“ und „Dupuyer“ geht es bis nach „Browning“. Hier sind wir bereits im Land der „Blackfeet“. In einer Supermarkt ähnlichen Tankstelle werden wir von zwei Bikern aus „Tampa“ in Florida wegen unserer Kennzeichen angesprochen. Der eine war in Deutschland stationiert gewesen und wohnte in „Unterpleichfeld“, der andere ging in „Kitzingen“ in den Kindergarten! Wie klein ist nur diese Welt…

Wir fahren dann auf dem „Hwy.-2“ entlang der Südgrenze des „Glacier NP“ bis nach „Kalispell“

Hier möchte ich auf die AfricaTwin neue Reifen aufziehen lassen, denn der vordere ist völlig fertig und der hintere hält bestimmt nicht mehr bis Alaska. Und außerdem ist in Canada alles viel teurer, sagt man…

Ein KTM-Händler in „Great Falls“ hatte für mich herausgefunden, dass sein Kollege hier in „Kalispell“ die richtigen Reifen auf Lager hat.

Tatsächlich, beide Reifen vorrätig und wegen der Montage könnten sie mich ja in meinem Hotel anrufen. Prima, so bleibt mir Zeit für „Argentinien-Deutschland“! Pünktlich zum Ende der Halbzeitpause (0-1 ! ), kommt der Anruf! Ich schwing mich in den Sattel und kann die zweite Halbzeit mir in Ruhe in „Scotty´s Bar“, gegenüber der Werkstatt ansehen. Der Endstand lässt mich dann auch auf ein gutes Werkstatt-Ergebnis hoffen!

Doch weit gefehlt! Auf den ersten 500 Metern zwingt mich eine riesige Unwucht im springenden Vorderrad, zur Umkehr in die Werkstatt. Der Mechaniker sagt mir, dass es ihm bei der Probefahrt auch aufgefallen ist und er daraufhin Luft herausgelassen hat (?). Eine erneute Montage verbesserte das Ergebnis. Zurück im Hotel kontrolliere ich glücklicherweise die Kettenspannung, die mir, obwohl ich eindeutige Anweisungen gegeben hatte, etwas zu straff vorkommt.

Was soll ich sagen, trotz Excenter-Verstellung hat er es geschafft, das Rad schräg einzubauen! Und zwar gleich mit einem Unterschied von 4 (!) Rasterungen. Ich entscheide mich, trotz der völlig überzogenen Rechnung, das Rad und die Kette selbst zu justieren. Wir sind halt in „Flathead County“…

Verfasst von: groberichtungnord | 4. Juli 2010

USA II – GRAND TETON/YELLOWSTONE

30.06.2010

Wir fahren auf der „Interstate-15“ weiter Richtung „Salt Lake City“. Den großen Salzsee lassen wir allerdings im wahrsten Sinne links liegen, denn warum sollen wir unsere Bikes mit dem quälen, vor dem wir sie im Winter immer schützen?

Bei „Brigham City“ biegen wir dann auf den „Hwy.-89“ ab und kurz hinter „Logan“ fahren wir durch ein schönes, kurviges Flußtal. Es erinnert uns sehr stark an zuhause, an die „Fränkische Schweiz“! Und so entschließen wir uns, endlich, an einem besonders schönen Fleckchen unsere Zelte aufzuschlagen.

Am nächsten Morgen geht es dann vorbei am „Bear Lake“ nach „Jackson“, dem Eingang zum „Grand Teton NP“. Der touristische Ort ist ziemlich gefüllt, es ist halt Hochsaison, und ohne einen Stop einzulegen, fahren wir direkt zum Parkeingang weiter.

Eine riesige, baumfreie Gras-Ebene zur rechten, fahren wir in den Park hinein, um uns am „Jenny Lake“ auf einem Campground niederzulassen. „Campground full“, eine einfache Holztafel zwingt uns zur Weiterfahrt.

Am „Signal Mountain Campground“ haben wir jedoch Glück, zwei Plätze sind noch frei! Die Dimension einer solchen „Campsite“ ist allerdings nicht mit denen deutscher Campingplätze zu vergleichen. Man hat ca. 200 qm zur freien Verfügung, Feuerstelle und Grill inklusive!

Die zwei Tage nutzen wir überwiegend für Tierbeobachtungen. Diese sind am frühen Morgen und am späten Nachmittag besonders Erfolg versprechend. Allerdings ist es, wie wir feststellen können, morgens mit ca. 0° C noch ziemlich frisch und kurz vor Sonnenuntergang werden wir von den Stechfliegen förmlich ausgesaugt!

Die Tierwelt und auch die grandiose Landschaft, entschädigen jedoch für alles!

Am Dienstag Morgen sind wir dann schon sehr zeitig abfahrbereit, d.h. Fast, denn der erste (!) Plattfuß dieser Tour, am Hinterrad der AfricaTwin, hält uns dann doch noch kurz auf…

Noch am Vormittag fahren wir dann in den „Yellowstone NP“ ein und auch hier melden die bekannten Holztafeln „Campground full“. Am „Bridge Bay“ werden wir dennoch fündig und so bleibt uns noch viel Zeit, für eine erste Rundfahrt und natürlich auch für „Old Faithful“.

Landschaftlich gesehen, würde ich sagen, dass der „Grand Teton NP“ die Nase leicht vorn hat. Das liegt aber wohl auch daran, dass es im „Yellowstone“ vor ein paar Jahren größere Waldbrände gegeben hat und die Wälder entsprechend „unattraktiv“ wirken!

Die vielen „Geyser Basins“ sind dann aber schon beieindruckend und der Schwefelgeruch begleitet einen in weiten Teilen des Parks. Wir müssen allerdings feststellen, dass es uns am „El Tatio“, in der Atacama-Wüste Chiles, noch besser gefallen hat, denn dort waren wir zum einen auf über 5000 m ü.N.N. und zum anderen quasi unter uns…

Beeindruckend ist jedoch die Tierwelt: Bisons überall (die naheste Begegnung haben wir auf unserem Zeltplatz, keinen Meter von uns entfernt), Hirsche, Koyoten, Dickhornschafe, Wölfe, Pelikane (!) und natürlich….Bären!

Das Problem dabei ist nur, dass wo immer ein Bär gesichtet wird, binnen Sekunden die Parkstrasse durch kreuz und quer parkende und chaotisch wild umher rennende Menschen praktisch unpassierbar wird. Trotzdem natürlich ein beeindruckendes Erlebnis!

Verfasst von: groberichtungnord | 1. Juli 2010

SERVICE – IM LAND DER DIENSTLEISTER

26.06.2010

Die Bikes haben nun schon knapp 20.000 km abgespult und so ist es nur normal, dass auch sie sich einer „Pflege“ unterziehen lassen. Wir sind der Meinung, dass eine Großstadt wie Las Vegas wohl der geeignete Platz dafür wäre.

Jürgens XT braucht einen neuen Kettensatz, neue Gaszüge, einen Vorderreifen und einen Ölfilterwechsel. Keinen Ölwechsel, denn diesen Stoff verbrennt sie so reichlich, dass er nicht alt werden kann!

Die AfricaTwin hingegen soll nur einen Ölwechsel bekommen.

Jürgen macht sich also zu einem Yamaha-Dealer auf und kehrt ziemlich enttäuscht am Abend zurück: „Die Teile müssen erst bestellt werden, sind aber wahrscheinlich Übermorgen da!“ Oh Gott, drei Tage Las Vegas, denke ich…

Am Donnerstag machen wir uns dann auf, um unseren besten Stücken etwas Gutes zukommen zu lassen…

In der Honda-Werkstatt erledigt man den Ölwechsel sofort, allerdings mit dem Hinweis, dass die hinteren Bremsbeläge komplett runter sind! Beim Ausbau stellt der zuvor sehr optimistische Mechaniker dann fest, dass er keine passenden Pads hat. Es würde 5 (!) Tage dauern, bis er welche besorgen könnte. Zu lange! Aber ich bekomme 3 Adressen von Honda-Werkstätten, die auf unserem Weg liegen und dort könnte ich ja anrufen…

Gesagt, getan, vom Hotelzimmer aus wähle ich die erste Nummer: Ein freundliches, weibliches „Hello“ nimmt meinen Anruf entgegen und vermittelt mich dann an einen „Fachmann“. Doch zuerst erfahre ich in einer ca. 10 (!) minütigen Warteschleife alles über das Angebot des Händlers…

Der Fachmann kann mir dann aber mit einem knappen „Sorry, we don´t have“ auch nicht weiterhelfen.

Der nächst Anruf, das gleiche Prozedere, nur mit dem Unterschied, dass die Warteschleife diesmal nur 5 Minuten dauert!

Dritter Anruf, alles wie gehabt, nur diesmal werde ich vom „Fachmann“ an einen weiteren „Fachmann“ weitervermittelt und nach 20 (!) Minuten Warteschleife lege ich dann völlig genervt auf! Ich werde wohl auf der morgigen Fahrt persönlich vorbeischauen müssen…

Am späten Nachmittag kreuzt auch Jürgen wieder auf. Die Teile waren eingetroffen, nur für die Montage war kein Termin frei. Der eine Mitarbeiter hat vergessen, dem anderen Mitarbeiter den Termin anzugeben…

Also ging Jürgen dann mit seinen Teilen in eine andere Werkstatt und erreichte durch viel gutes Zureden, dass die Montage durchgeführt wurde. Mit dem Boss, Sam, verstand er sich recht gut und so gibt er mir den Tipp, wegen der Bremsbeläge doch mal mit ihm zu telefonieren. Hoffentlich ohne Warteschleife…!

Sam nimmt sich meines Problems sofort an und nach einem weiteren Anruf erfahre ich, dass er zwar auch keine Teile auftreiben kann, aber er kann mir sagen, dass diese Beläge auch auf eine „Triumph Speedtriple“ und eine „Buell Ulysee“ passen.

Es kommt wie es kommen muß, kein Händler auf der Strecke hat das benötigte Teil! So ein Mist…!

Also doch mal bei einem „Harley-Dealer“ vorfahren! Bei „Zion HD“ sagt mir eine freundliche Verkäuferin, dass sie zwar keine Pads hier hat, aber sie fragt mal bei einem Kollegen nach…

Und tatsächlich „South Valley-HD“ in Sandy, das ist kurz vor Salt Lake City, hat das Teil vorrätig!

Hoffentlich mache ich mich nicht lächerlich und die Pads passen tatsächlich an meine Honda von 1989!

Mit staunenden, aber auch bewundernden Blicken, werden unsere Bikes gemustert. Der „Chief“ vom Service hält die Pads prüfend an den Bremssattel, nickt, und lässt mich die Twin in die Werkstatt schieben. Sofort-Service und das am Samstag! Nach 20 Minuten ist alles erledigt!

„War doch klar, dass es nur mit Harley klappt!“ werden die lieben Kollegen zuhause jetzt sagen!

Ist aber auch schön, wenn man im Hause Buell in aktuellen Modellen auf bewährte, über 20 Jahre alte Technik setzt…!!

Verfasst von: groberichtungnord | 26. Juni 2010

USA I – ARIZONA-NEVADA

25.06.2010

Wir verlassen „Sonoita“ schon früh am Morgen und begeben uns auf die „Interstate-10“ nach Westen. Über „Tucson“ erreichen wir „Phoenix“ und fahren von hier auf dem „Hwy.-60“ bis nach „Wickenburg“.

Nachdem wir schon sehr lange nicht mehr gezeltet haben, steuern wir natürlich gleich einen Campground an. Die freundliche, ältere Dame im Office nennt uns als Platzmiete knapp 20.-$ pro Person und Zelt. Etwas happig denken wir und auch der netten Dame fällt wohl auf, dass wir mit weniger gerechnet hatten! Sie spendiert mir ein kühles Wasser und in einer netten Unterhaltung klärt sie uns auf, dass das „Wickenburg-Inn“ nur wenig mehr kostet, dafür haben wir dann aber Betten, Bad, Pool und Breakfast! Mit dem größten Verständnis verabschiedet sie uns und wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt!?

Das Hotel war eine gute Wahl! Und mit dem reichhaltigsten Frühstück seit langem, schwingen wir uns wieder in die Sättel und steuern auf dem „Hwy.-93“ nach Norden.

In „Kingman“ betreten wir dann legendäres Terrain und lassen uns im „Mr. D´z“ ein zweites Frühstück servieren! Völlig überfüllt nehmen wir dann wieder Fahrt auf und über den „Hoover-Damm“ erreichen wir bereits am Nachmittag „Las Vegas“.

Las Vegas, die Stadt in der Wüste, an der sich die Geister scheiden. Für die einen ist sie das Ziel ihrer Träume, für die anderen notgedrungener Ausgangspunkt für traumhafte Touren durch den Westen der USA!

Und auch bei uns gehen die Prioritäten erheblich auseinander: Während der eine sich der Affinität der Slotmachines und Malls nicht entziehen will, treibt es den anderen vor die Tore der Stadt, in eine farbenprächtige Wüstenlandschaft und wenn in die Stadt, dann um in der glitzernden Nacht die sich anscheinend jährlich verändernde Architektur der Prunkbauten zu genießen!

Drei Nächte sind dann aber für beide genug und so begeben wir uns am Freitag bereits kurz nach Sonnenaufgang auf die „Interstate-15 North“, nicht ohne dann nach kurzer Fahrzeit, einen Abstecher ins „Valley of Fire“ zu machen. Um diese Zeit leuchten die bizarren Felsformationen des State Park in den buntesten Farben!

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